Mythen über Vitamine & Nahrungsergänzungen

Pascal Pape

Braucht man denn wirklich Vitamine? Sind Nahrungsergänzungen sinnvoll? Oder nutzlos? Oder sogar schädlich?

Ich habe gemerkt, dass bei einigen weiterhin eine große Unsicherheit besteht. Das ist auch nicht verwunderlich, wenn man die Schlagzeilen in den Mainstream-Medien liest. Ich möchte deshalb diesen Artikel nutzen, um die größten Mythen rundum Vitamine und Nahrungsergänzungen aufzuklären und Dir mehr Sicherheit zu geben. Du kannst diesen Artikel am Stück lesen oder auch als Nachschlagewerk verwenden.

Vorwort: Abschreiben ist doch nicht erlaubt?

Eines möchte ich vorab anmerken: In der Schule war Abschreiben vom Nachbarn verboten. Im Studium musste man Quellen hinterfragen. Bei unseren Medien dagegen ist kritikloses Abschreiben an der Tagesordnung.

Wenn ich durch Artikel blättere, fällt mir dieses Muster immer wieder auf. Kein einziger Journalist scheint sich noch die Mühe zu machen auch nur eine einzige Studie selbst zu lesen (obwohl man diese gerne erwähnt). Stattdessen schreibt man lieber vom Kollegen ab oder fragt jemanden von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung.

Wie Du aber vermutlich mitbekommen hast, sind die Aussagen der DGE nicht immer das Gelbe vom Ei (milde ausgedrückt). Die DGE wird von vielen Seiten scharf kritisiert. Universitäten aus dem Ausland lachen über die steinzeitlichen Richtlinien der DGE. Ernährungsexperten schütteln den Kopf. Nur deutsche Journalisten interviewen die DGE mit einem breiten Grinsen und kritiklosen Kopfnicken.

Das betrifft aber nicht nur Medien, sondern sogar die Verbraucherzentrale. Denn auch hier schaut man sich offensichtlich keine Studien selbst an, sondern wieder nur was andere schreiben, zum Beispiel die DGE. Dass es unseriöse Verstrickungen von der DGE zur Industrie gibt, wird selbst vom Verbraucherschutz ignoriert. Obwohl doch genau das ihre Aufgabe wäre, oder nicht?

Es scheint, als ob in unserem Land keine eigene Recherche und keine eigene Meinung mehr erwünscht ist – zumindest, wenn es um Ernährung geht. Was die DGE sagt ist heilig. Für mich ist das kein Journalismus. Warum das so ist, möchte ich an dieser Stelle nicht diskutieren. Aber bei dieser Flüsterpost ist es nicht verwunderlich, wenn Du etwas verwirrt bist. Also lass uns starten und Klarheit schaffen.

Mythos 1) Unsere Lebensmittel sind nicht verarmt an Nährstoffen

Gibt es nun einen Nährstoffverlust in Obst und Gemüse oder nicht? Die propagierte Meinung: „Nein.“ Die Begründung?

Meistens ein schwammiges Hin und Her: „Der Nährstoffgehalt hänge doch von soo vielen Faktoren ab… Einen Verlust müsste man doch sehen können… Die Analysemethoden hätten sich doch geändert… Hier ist eine Studie, aber wir zeigen Dir nicht, was drinsteht… Ja gut, Nährstoffe gehen schon verloren… durch Transport zum Beispiel… Aber was verloren geht, könnten wir doch an anderer Stelle wieder reinholen…“ Warte… Was?

Wer sich die Argumente gegen einen Nährstoffverlust anhört, findet schwammige Rechtfertigungen und Widersprüche, aber irgendwie nie klare Fakten. Das könnte daran liegen, dass die Fakten sehr wohl zeigen, dass unser Obst und Gemüse weniger Nährstoffe enthält – und zwar drastisch.

Warum? Liegt es an den verarmten Böden? Oder den langen Transportwegen? Der unnatürlichen Züchtung? Oder allem zusammen? Eigentlich völlig egal. Analysiert und vergleicht man Obst und Gemüse, sieht man einen starken Verlust an Nährstoffen. Punkt. Wen es näher interessiert, ich habe einen ausführlichen Artikel dazu verfasst.

Unser Obst und Gemüse enthält heute deutlich weniger Nährstoffe als vor 100 Jahren
und drastisch weniger als vor 100.000 Jahren oder in freier Natur.

Mythos 2) Ein Vitaminmangel / Nährstoffmangel ist selten

Gleichzeitig wissen wir – und auch Ärzteblätter – dass der Großteil der heutigen Krankheiten durch einen falschen Lebensstil und allem voran eine falsche Ernährung entstehen. Etwas widersprüchlich.

Eine Studie ist für diese Argumentation Dreh und Angelpunkt: Die Nationale Verzehrsstudie II

In der Verzehrsstudie wurden tausende Deutsche nach ihrer Ernährung befragt. Das Ergebnis: Wir sind verdammt schlecht versorgt – selbst wenn man es angestrengt schönredet. Hier ein Auszug: Der Gemüseverzehr beträgt bei beiden Geschlechtern mit 124 g/Tag nur ein Drittel des Orientierungswerts von 400 g Gemüse/Tag.

Also wie kommt es, dass wir nicht mal 30% des Minimums an Gemüse essen, aber angeblich an Vitaminen tip top versorgt sind? Wie kommt es, dass jeder schreibt „Deutschland ist kein Vitaminmangel-Land“?

Dafür gibt es mehrere Gründe. Zum Beispiel:

  • Die Studie ist sehr lang, und das kann man wirklich keinem Journalisten zumuten.
  • Aber die DGE sagt etwas anderes.
  • Es gab mehrere Analyseverfahren und damit mehrere Ergebnisse.

Der letzte Punkt ist sehr beliebt: Es gab ein ungenaues (Diet History) und ein etwas genaueres Analyse-Verfahren (24h-Recalls). Die 24h-Recalls kamen zu schlechteren, aber eben auch realistischeren Ergebnissen. In der Studie steht deshalb sehr deutlich geschrieben: Journalisten sollen bitte ausschließlich die 24h-Recalls zitieren. Leider tun bis heute alle, ich wiederhole mich, alle Journalisten exakt das Gegenteil. Wie erwähnt, möchte ich hier nicht interpretieren warum.

Viele Menschen glauben mir das nicht, deshalb will ich Dir ein paar Zahlen zeigen. Hier zum Beispiel die…

Durchschnittliche Vitamin-C-Aufnahme bei Männern:

Durchschnittliche Aufnahme: 96mg
Minimum laut DGE: 110mg
=> Mangel

Dennoch behauptet selbst die Verbraucherzentrale, die Versorgungslage an Vitamin C wäre „gut“. Upps. Da wurde wohl mal wieder falsch abgeschrieben.

Ein weiteres Beispiel:

Durchschnittliche Calcium-Aufnahme von Frauen:

Durchschnittliche Aufnahme: 738mg
Minimum: 1.000mg
=> Mangel

Um das ein bisschen in Kontext zu setzen: Frauen fehlen durchschnittlich satte 260mg Calcium zum Minimum. Das sind umgerechnet rund 700 Gramm gekochter Brokkoli oder auch 5 Tassen Brokkoli. Die isst man nicht mal eben „obendrauf“.

Wenn Du denkst, das wäre schwarzgeredet, dann muss ich Dich enttäuschen. Diese Zahlen sind bereits geschönt. Was meine ich damit? Ich fasse mich ganz kurz: Zum Beispiel wurden in der Studie selbst synthetische Vitamine oder „angereicherte Säfte“ (mit synthetischen Vitaminen) zur Vitaminversorgung dazugezählt. Diese sollten eigentlich nicht dazuzählen, machen laut Studie aber sogar „eine bedeutende Rolle“ aus. Zudem wurden Teilnehmer nicht kontrolliert, sondern nur befragt. Ein Nährstoffverlust wurde auch nicht miteinberechnet. Und und und… Doch am wichtigsten: Die Richtwerte der DGE sind lediglich Minimalwerte und schließen nicht einmal einen Mangel aus. Dazu gleich mehr.

Egal wie man die Daten dreht, wendet oder schönt: Wir sind an Nährstoffen breitgefächert schlecht versorgt.

Mythos 3) Kein Mangel = optimale Versorgung

Die häufige Annahme: „Wer die Richtwerte der DGE erreicht, ist gut versorgt.“

Denn die DGE behauptet, ihre Richtwerte würden „nahezu alle gesunden Personen“ vor „mangelbedingten Gesundheitsschäden“ schützen. Wie Du weißt, sollte man nicht alles glauben, was die DGE so von sich gibt.

Hinterfragt man diese Aussage, geht es lediglich um akute Mangelzustände. Man hat hier die alten Seefahrer vor Augen, die wochenlang kein Obst gegessen haben und deshalb Zahnfleischbluten bekamen.

Die DGE vergisst aber zu erwähnen, dass diese Werte nicht für die Prävention von Krankheiten geeignet ist. Sie vergisst zu erwähnen, dass kleine Schäden im Körper nicht sofort nachweisbar sind. Sie vergisst zu erwähnen, dass der Großteil der Bevölkerung gar nicht ihren idealen Vorstellungen entspricht. (Sie sind eben nicht vollkommen gesund, sondern haben Darmprobleme, Schilddrüsenprobleme, rauchen, trinken, essen regelmäßig Genussmittel, …)

Die Richtwerte gelten nur für das bestmögliche Szenario – in dem Du jung und gesund bist – und selbst hierfür sind sie noch nicht einmal optimal. Denn es besteht ein großer Unterschied zwischen Minimum und Optimum. Ich habe auch dazu einen eigenen Artikel verfasst.

Es besteht ein großer Unterschied zwischen minimaler und optimaler Nährstoffversorgung.

Mythos 4) Geh zum Arzt: Nur ein Blut-Test sagt Dir, ob Du einen Mangel hast

Vorweg: Solltest Du Deinen Arzt kontaktieren, wenn Du Medikamente nimmst oder eine Krankheit hast? Definitiv ja, immer. Das ist jedoch unabhängig von Nahrungsergänzungen.

Zurück zum Mythos. Es wird empfohlen: „Geh erstmal zu Deinem Arzt und lass – aber bitte nur im Zweifelsfall – testen, ob Du einen nachweisbaren Mangel hast.“

Diese Aussage baut natürlich auf dem Mythos auf, dass unsere Lebensmittel vor Nährstoffen explodieren und wir im absoluten Überfluss an Vitaminen leben würden. Stell Dir an dieser Stelle bitte einen bunten Regenbogen und fliegende Einhörner vor.

Die Aussage macht aber keinerlei Sinn, wenn wir wissen, wie unsere Lebensmittel aussehen und dass wir breitgefächert unterversorgt sind. Denn… Was soll man da testen? Was soll denn beim Test herauskommen? Der Test ist in Wahrheit ein Alibi, um sich die Welt schönzureden. Das ist so, als ob man weiß, dass jemand der Mörder ist. Trotzdem sucht man einen Zeugen, der für ihn lügt. Wenn wir nicht genug Nährstoffe essen, wo sollen sie denn herkommen?

Doch lass mich Blutwerte etwas genauer erklären, damit Du weißt, was dahinter steckt. Also: Es gibt einen sogenannten Normbereich für Vitamine. Liegt Dein Wert in diesem Bereich, so wird Dein Arzt sagen „kein Mangel, alles gut“. Das liegt aber daran, dass die meisten Ärzte gar nicht wissen, was die Werte aussagen.

Die Normwerte für Vitamine werden anhand der Bevölkerung ermittelt – und nicht etwa anhand eines optimalen Stoffwechsels. Das Problem: Wenn der Großteil der Bevölkerung schlecht versorgt ist, dann ist der Normwert auch schlecht. Er spiegelt eben nur wieder, was durchschnittlich ist und nicht was gesund ist.

Ein Beispiel: In Deutschland liegt der durchschnittliche Blutwert für Selen bei ungefähr 80μg/l. In den USA liegt er bei 160. In Kanada bei 190. Und in Südamerika sogar über 240. Doch weder die Kanadier noch die Südamerikaner sterben reihenweise an einer Selenvergiftung. Der durchschnittliche Wert unterscheidet sich von Land zu Land und sagt nichts über das Optimum aus.

Zum Verständnis eine Metapher: Stell Dir vor der optimale Blutwert für Vitamin C wäre 100%. Wenn jetzt der durchschnittliche Wert in Deutschland zwischen 20% und 30% liegt, dann ist das der Normbereich. Das bedeutet, nur unter 20% wäre ein Mangel und alles über 30% wäre bereits eine „Überversorgung“. In Wahrheit wäre aber selbst 40% noch weit weg von den optimalen 100%.

Übrigens ist das nicht weit hergeholt: Mit einer ungesunden Ernährung liegst Du im Normbereich von Vitamin C. Das sollte nicht sein. Aber noch schlimmer: Mit einer gesunden Ernährung liegst Du über dem Normbereich. Wer also viel Obst isst, der ist offiziell „überversorgt“ (lass Dir das auf der Zunge zergehen) und sollte laut Ärzten wieder mehr Pizza essen. Verkehrte Welt!

Genau dieses Spiel können wir in Deutschland beobachten. Immer wieder kommen Leser auf mich zu, die mir erzählen, sie hätten top Werte. Mindestens genauso oft erklärt ihnen ihr Arzt, sie wären an manchen Vitaminen sogar überversorgt. Als ob Vitamine giftig wären…

Vielleicht fragst Du Dich: Welcher Wert ist denn jetzt optimal? Die ehrliche Wahrheit: Das kann Dir niemand sagen. Der Blutwert ist noch nicht einmal zuverlässig. Zu denken, wir könnten alles anhand des Blutbildes bestimmen, ist heute noch reine Science Fiction. Das ist aber auch gar nicht so wichtig. Denn eines können wir mit Bestimmtheit sagen: Eine Ernährung reich an Nährstoffen ist gesund. Viele Vitamine sind gesund. So einfach.

Ein guter Blutwert garantiert nicht, dass Du optimal versorgt bist – er kann noch nicht mal einen Mangel ausschließen.

Mythos 5) Viele Vitamine sind schädlich

Mangelndes Wissen über Ernährung ist das eine. Aber wenn Journalisten ihr Halbwissen nutzen, um vor den wertvollen Nährstoffen zu warnen, dann werde ich wirklich sauer.

Vitamine sind nicht schädlich. Waren sie noch nie und werden sie nie sein. Es gibt tausende Studien, die das belegen und es gibt die größte epidemiologische Studie der Welt: Wie unsere Vorfahren über hunderttausende Jahre gesund lebten (trotz der vielen Vitamine in freier Natur). Doch davon liest man nichts in den Medien, genauso wenig wie von der breitgefächerten Unterversorgung. Stattdessen liest man immer wieder von der bösen Überdosierung, die scheinbar an jeder Ecke lauert.

Kann man Vitamine überdosieren? Natürlich. Jeden Stoff dieser Welt kann man überdosieren, selbst Wasser. Und so gibt es, neben tausenden positiven, auch 4-5 Studien, die auf ein negatives Ergebnis kamen. Das zeigt bereits: Es liegt gar nicht an den Vitaminen, sondern man hat in diesen Studien irgendwelche gravierenden Fehler gemacht. Was waren die Fehler?

Fehler 1) Synthetische Vitamine = unnatürlich:

Man kann Vitamine natürlich gewinnen oder man kann Vitamine synthetisch im Labor nachbauen. Manche synthetischen Vitamine unterscheiden sich jedoch in ihrer chemischen Struktur drastisch vom Original.

Wenn Du mal darauf achtest, sind es immer dieselben Negativ-Studien, die in den Medien zitiert werden – zu Vitamin E und Beta Carotin. Dreimal darfst Du raten: Welche synthetischen Vitamine unterscheiden sich sehr stark von ihrem natürlichen Original? Trommelwirbel… Ganz genau: Vitamin E und Beta Carotin. Du schlauer Fuchs!

Synthetisches Vitamin E zum Beispiel besteht zu 88% aus einer unnatürlichen Form, die unser Körper einfach nicht kennt. Du kannst es Dir vorstellen wie ein O (natürlich) und ein Q (unnatürlich). Sie sehen vielleicht ähnlich aus, trotzdem können wir nicht einfach O durch Q ersetzen. Qder wie kqmisch sähe das denn aus? Genauso geht es unserem Körper mit synthetischen Vitaminen.

Synthetische Vitamine mit natürlichen gleichzusetzen ist ähnlich sinnvoll, wie Cola mit Mineralwasser gleichzusetzen. Cola ist synthetisch, Mineralwasser natürlich. Warum spricht keiner von einer uiuiui Überdosierung an Mineralwasser? Ist es nicht viel wahrscheinlicher, dass wir zu wenig trinken? Dasselbe gilt für Vitamine.

Fehler 2) Isolierte Vitamine = unnatürlich:

Der zweite Fehler: Vitamine aus ihrer natürlichen Umgebung zu reißen und über einen langen Zeitraum isoliert zu ergänzen. Wie Du bereits weißt, wirken Vitamine nicht alleine, sondern in einem Netzwerk. Sie spielen zusammen. Reiße ich jetzt ein einzelnes Vitamin aus dieser Kette, dann kann ich dadurch das Zusammenspiel stören.

Du kannst es Dir vorstellen wie Salz und Wasser. Wenn Du sehr viel Salz essen würdest, dann würde Dein Körper verdursten. Das gleiche Spiel geht auch andersherum: Du trinkst extrem viel Wasser, dann schwemmt das zu viele Salze aus Deinem Körper.

Verhältnisse haben wir überall im Körper und es ist wichtig, diese Verhältnisse nicht zu stören! Aber trotzdem ist Wasser immernoch nicht schädlich und Vitamine sind es auch nicht.

Wissenschaftler wissen das übrigens seit ~1960. Warum gibt es einige, die diese Fakten dennoch ignorieren? Weil sie Studien absichtlich fälschen wollen. (Wer hätte gedacht, das sowas überhaupt geht?) Und die Medien greifen genau diese gefälschten Studien auf und freuen sich über eine Sensationsmeldung. Um das zu unterstreichen, hier ein Zitat:

Harvard University zur angeblichen Schädlichkeit von Vitaminen:

„Aber diese Studien sind fehlerhaft. […] Viele Studien zeigen genau das Gegenteil – dass Multivitaminpräparate uns vor schwerwiegenden Erkrankungen schützen können, wie Herzerkrankungen, Darmkrebs und Brustkrebs.“

Übrigens gibt es bis heute keinen einzigen nachgewiesenen Todesfall durch Vitamine – nicht einmal in gefälschten Studien. Da kann unsere deutsche Presse noch so rumoren und meckern, gibt es nicht.

Theoretische Überdosierungen an Vitaminen gibt es nur in fehlerhaften Studien, die mit isolierten und/oder synthetischen Vitaminen arbeiten. Mit naturnahen Produkten gab es bis heute keine einzige Überdosierung.

Mythos 6) Die Höchstwerte für Vitamine dürfen nicht überschritten werden

Mittlerweile gibt es vom Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) festgelegte Höchstwerte – die natürlich in Kooperation mit der DGE „sorgfältig“ bestimmt wurden. Daraufhin gab es zahlreiche empörte Aufschreie von Experten, denn die deutschen Höchstwerte sind lächerlich gering im Vergleich zu den europäischen oder amerikanischen. (Wenn sie bei Pestiziden auch nur halb so streng vorgehen würden, hätten wir in Deutschland einige Probleme weniger.)

Viele nehmen an, ein Nahrungsergänzungsmittel sei schädlich, ja geradezu giftig, wenn es die Höchstwerte überschreitet. Auch hier vergisst man aber wieder aufzuklären, was diese Werte aussagen. Ganz grob zusammengefasst:

Die Höchstwerte gelten nur für das schlechtestmögliche Szenario.

Was meine ich damit? Wie bereits oben erklärt, sind Vitamine nicht schädlich. Man kann nur zwei Fehler machen: Langfristig synthetische oder isolierte Vitamine zu schlucken. Die Höchstwerte gelten für den Fall, dass Du beide Fehler gleichzeitig machst. Lass mich das an Beispielen verdeutlichen.

Nehmen wir Magnesium:

Es gibt kein bekanntes Höchstlimit für Magnesium aus Lebensmitteln. Das ist der wichtigste Satz.

Der Höchstwert für Nahrungsergänzungen wurde auf 250mg festgelegt. Ab dieser Menge hatten vereinzelt Menschen Probleme mit Durchfall. Jetzt muss man aber wissen, dass reines Magnesium abführend wirkt und auch therapeutisch als Abführmittel eingesetzt wird. Das ist also kein unerwartetes Ergebnis. Eine richtige Überdosierung gab es erst ab 2.500mg. Beides gilt nur für reines Magnesium, isoliert ergänzt.

Warum aber kann man über die Nahrung problemlos die zehnfache Menge des Höchstwerts aufnehmen und bekommt dennoch nicht mal Durchfall? Das Stichwort ist wieder Verhältnisse. Magnesium hat Calcium als natürlichen Gegenspieler. Calcium wirkt genau entgegengesetzt zu Magnesium, also unter anderem „stopfend“ auf unseren Darm.

Das heißt übersetzt: Reines Magnesium ist nur deshalb problematisch, weil man damit das Verhältnis zu Calcium stört.

Was ist die Lösung des Problems? Du errätst es bestimmt. Einfach kein reines Magnesium einnehmen, sondern Nährstoffe immer in Kombination ergänzen. Zusammen mit Calcium ist es nahezu unmöglich Magnesium überzudosieren. Das ist der Grund, warum ich gerne über 500mg Magnesium ergänze und dennoch keinerlei Probleme damit habe.

Anderes Beispiel, Vitamin K:

Für Vitamin K wurde der Höchstwert auf 80µg festgelegt. Was nicht erklärt wird: Eine 500g-Packung Spinat enthält rund 2.500µg, also die 30-fache (!) Menge des Höchstwerts. Du liebe Güte! Aber hast Du Dich schon mal gefragt, warum Spinat dennoch frei im Supermarkt verkauft wird? Oder bekommst Du Deinen Spinat nur noch auf Rezept in der Apotheke? Die Aussage „beim Essen von Spinat fragen Sie bitte Ihren Arzt oder Apotheker“ ist mir persönlich unbekannt. Natürlich ist das Unsinn, denn auch hier gilt dasselbe: Es gibt keinen bekannten Höchstwert für Vitamin K aus Lebensmitteln.

Bevor Du Dich von solchen Höchstwerten irritieren lässt, frag einfach Deinen gesunden Menschenverstand:

  • Wann sind Vitamine etwas Schlechtes geworden?
  • Wenn man Vitamine so leicht überdosieren kann, warum sind dann Obst und Gemüse gesund?
  • Wenn zu viele Vitamine ein Problem sind, warum ist dann zu viel Gemüse kein Problem?

Anstatt irreführende Höchstwerte festzulegen, würde ich mir wünschen, dass man einfach mehr aufklärt. Entscheidend ist doch die Frage: Wie kann man eine Überdosierung verhindern? Die Lösung ist sehr einfach und ich wiederhole mich gerne wieder und wieder: Es gibt keine Höchstwerte für Vitamine aus Lebensmitteln, weil viele Nährstoffe gesund sind. Wer richtig ergänzt, braucht vor einer Überdosierung keine Angst zu haben.

„Das Problem der Mikronährstoffe ist nicht die Überdosierung von einigen Milligramm, sondern es sind die gravierenden gesundheitlichen Folgen der Unterdosierung.“ – A. Jopp, Risikofaktor Vitaminmangel

Die Höchstwerte sind extrem niedrig angesetzt und gelten nur für synthetische Monopräparate.
Es gibt keine bekannten Höchstwerte für naturnahe Produkte oder Lebensmittel.

Mythos 7) Man sollte Vitamine punktuell ergänzen

Bei allem, was Du mittlerweile weißt, kannst Du diesen Mythos selbst aufdecken. Man liest gerne: „Bitte picke nur einzelne Nährstoffe heraus, von denen Du vermutest (oder Dein Arzt), dass Du einen Mangel hast und ergänze nur diese Stoffe.“

Doch genau das ist der falsche Ansatz, der unnatürlich und enorm fehleranfällig ist. Denn damit stören wir die natürlichen Verhältnisse in unserem Körper. Nehmen wir als Beispiel wieder Magnesium und Calcium. Aus irgendeinem Grund sind sehr viele Menschen davon überzeugt, dass jeder von uns einen Magnesium-Mangel hat. Im Gegenzug sind die meisten auch der Überzeugung, dass wir entweder genug Calcium aufnehmen oder sogar überversorgt wären.

Das ist aber ein riesiger Mythos, denn unser Calcium-Mangel ist mindestens genauso groß wie unser Magnesium-Mangel – laut Studien sogar größer.

Das Problem entsteht, wenn man jetzt Magnesium einzeln ergänzt. Denn was viele nicht wissen: Hierdurch sinkt die Aufnahme von Calcium im Körper. Nimm zum Vergleich einfach wieder Salz und Wasser. Zu viel Salz raubt dem Körper Wasser. Zu viel Magnesium raubt dem Körper Calcium. Ergänze ich jetzt Magnesium einzeln, verstärke ich damit den eh schon vorhandenen Calcium-Mangel. Das wäre langfristig eine Katastrophe und ist auch der Grund, warum gute Hersteller einzelnes Magnesium gar nicht erst im Sortiment haben.

Ich gebe Dir ein weiteres Beispiel: Jod und Selen spielen ebenfalls zusammen. Ergänze ich nur Jod in hohen Mengen, so wirkt es toxisch. Selen jedoch verringert diese Toxizität und alles ist gut. Fällt Dir etwas auf? Jodiertes Speisesalz hat uns zwar Jod beschert, aber kein Selen. Jodiertes Speisesalz ist auch ein Grund, warum mittlerweile so viele Menschen Schilddrüsen-Probleme haben. Daher stammt auch der Mythos bei Schilddrüsenerkrankungen (wie Hashimoto) dürfe man kein Jod ergänzen. Völliger Unsinn! Das wahre Problem ist ein Selenmangel, wodurch Jod überhaupt erst toxisch wird.

All diese Probleme umgeht man, wenn man ganzheitlich mit einer Basisversorgung ergänzt. Denn es gibt bei weitem nicht nur einen Mit- oder Gegenspieler, sondern zahlreiche. Zum Beispiel fördern Ballaststoffe die Aufnahme von Magnesium. Manche Pflanzenstoffe verzögern die Aufnahme von Vitaminen, wodurch diese über den Tag verteilt aufgenommen werden. Wieder andere Pflanzenstoffe verstärken die Wirkung von Vitaminen. Und und und. Deshalb trumpft eine ganzheitliche Ergänzung jede punktuelle Ergänzung.

Eine punktuelle Ergänzung führt zu Fehlern. Eine ganzheitliche Ergänzung ist die natürliche und bessere Wahl.

Mythos 8) Vitamine haben keine Wirkung

Vitamine und Nahrungsergänzungen dürfen nur wissenschaftlich erwiesene Wirkungen haben. Sie dürfen rechtlich nicht vor Krankheiten schützen. Sie dürfen auch keine Krankheiten heilen. Das ist streng geregelt.

Bis zu einem gewissen Grad verstehe ich das. Man möchte Verbraucher vor unseriöser Werbung schützen. Doch die Erfahrung zeigt, dass man genau das Gegenteil erreicht hat. Jetzt hält sich der Mythos Vitamine hätten keine Wirkung. Das ist falsch. Sowas von falsch. Sie haben durchaus eine Wirkung. Man darf nur nicht darüber reden. Das sind zwei unterschiedliche paar Schuhe.

Ich gebe Dir ein Beispiel: Ich hatte früher starke Schmerzen in meinem linken Knie. Ich bin von Arzt zu Arzt gerannt, immer wieder erhielt ich dieselbe Aussage: „Das ist Arthrose durch Überbelastung, da kann man nichts machen.“ Ich habe dann Jahre später meine Ernährung umgestellt und Nahrungsergänzungsmittel genommen und innerhalb von wenigen Wochen waren die Schmerzen verschwunden.

Das ist passiert. Das ist real. Aber ich darf nicht darüber reden. Ich darf Dir nicht sagen, welches Produkt in meinen Augen geholfen hat. Denn damit würde ich gegen deutsches Recht verstoßen. Das erschwert den ehrlichen Erfahrungsaustausch unter uns Verbrauchern. Leider.

Auch gibt es nicht genug umfassende Studien. Korrekt. Doch die gibt es für Ernährung generell nicht. Wer sollte die auch finanzieren? Wenn es sie gäbe, hätten wir nicht so viele Diskussionen um Ernährung. Dennoch wirken Nährstoffe und das ist bewiesen:

1) Stoffwechsel: Wir können die Wirkung sehen, wenn wir unseren Stoffwechsel beobachten. Manche Nährstoffe stärken das Immunsystem. Andere aktivieren das Immunsystem, sodass es Krebszellen bekämpft. Einige lassen unser Blut besser fließen. Andere schützen unsere Zellen und DNA vor Toxinen. Wieder andere schützen unsere Blutfette vor Oxidation.

Viele Prozesse im Stoffwechsel sind durchaus bekannt. Selen zum Beispiel „trägt dazu bei, die Zellen vor oxidativem Stress zu schützen.“ Das ist belegt (und darf man sogar sagen). Man weiß nur nicht sicher, wie sich das auf einzelne Krankheiten auswirkt. Aber wie viele Jahrzehnte sollen wir noch warten, bis das untersucht wird?

2) Viele Nährstoffe sind gesund: Auch das ist unumstritten und dafür braucht es keine weiteren Studien. Eine Ernährung mit vielen Nährstoffen ist natürlich und gesund. Die einzige Frage ist: WIE geben wir unserem Körper die Nährstoffe, sodass er sie auch verarbeiten kann? (Ich hätte da eine Idee.)

3) Erfahrungsberichte: Es gibt Erfahrungsberichte, auch wenn man dazu etwas graben muss, aber es gibt sie. Zum Beispiel kenne ich keinen einzigen Menschen, der 3 Jahre lang eine hochwertige Basisversorgung genommen und danach wieder aufgehört hat. Das kann einem etwas sagen. Doch die besten Erfahrungen sind sicherlich die, die man mit der Zeit selbst sammelt oder mit eigenen Augen sieht.

Das sind die Fakten. Man muss nur noch die Brücke bauen, was man damit macht. Glücklicherweise darf sich jeder selbst informieren und seine eigene Meinung bilden.

Vitamine wirken: Eine Ernährung reich an Nährstoffen ist gesund.

Fazit: Fakten sind besser als Mythen

Von den Medien, der DGE und öffentlicher Seite aus werden haufenweise Falschinformationen über Nahrungsergänzungen verbreitet:

  • Die Zahlen zu Nährstoffgehalt und Ernährung werden nicht diskutiert, sondern verschwiegen. Aber wenn wir wirklich alle so toll versorgt wären… Warum gibt es dann so viele (vermeidbare) Krankheiten?
  • Man schickt uns zum Arzt. Obwohl Nahrungsergänzungen keine Medikamente, sondern Teil der Ernährung sind, uns der Arzt dazu gar nicht beraten kann und im Übrigen auch nicht dafür bezahlt wird. Man sagt damit: „Kümmere Dich bitte nicht selbst um Deine Gesundheit. Denn das ist Aufgabe der Pharmaindustrie!“ Bitte?
  • Es wird ausschließlich negativ über Nahrungsergänzungen geredet. Es geht nur um mögliche Schäden, die Wirkung wird ignoriert und totgeschwiegen – als ob man völlig vergessen hätte, dass Nährstoffe gesund sind.

All das hinterlässt bei mir einen bitteren Nachgeschmack. Wie gesagt möchte ich hier nicht interpretieren, warum das so ist.

Die Mythen-Parade ist der Grund, warum ich auf meinem persönlichen Feldzug bin, um aufzuklären: Vitamine sind gesund. Viele Nährstoffe sind gesund. Und Nahrungsergänzungen sind pure Nährstoffe und damit ein wertvoller Teil einer gesunden Ernährung.

Ja, Nahrungsergänzungen sind anfangs nicht leicht zu durchschauen. Struktur, Mengenverhältnisse, Mitspieler, … Alles muss zusammenpassen. Es hört sich kompliziert an, aber die Wahrheit ist: Ein guter Hersteller übernimmt für Dich die ganze Arbeit. Er kümmert sich darum, dass alle Nährstoffe perfekt aufeinander abgestimmt sind und wie kleine Zahnrädchen ineinander greifen – sodass sie da ankommen, wo sie hin sollen.

Deshalb ist es eigentlich einfach: Wer mit einer Basisversorgung ganzheitlich ergänzt, der profitiert von all den guten Seiten, die Nährstoffe zu bieten haben. Hast Du einen Hersteller, der gute Qualität liefert, dann musst Du Dir nie wieder den Kopf zerbrechen. Es ist sehr einfach, solange man sich an der Natur orientiert.

P.S.: In diesem Artikel spreche ich der Einfachheit halber häufig über Vitamine. Prinzipiell gelten die Fakten aber für alle Nährstoffe, wie zum Beispiel Mineralstoffe, Spurenelemente oder Pflanzenstoffe.

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