Hör auf Vitamin D zu nehmen (hochdosiert)

Pascal Pape

Vitamin D ist der neue Liebling der Gesundheits-Gurus.

Ganze Kanäle, die nichts anderes promoten. Täglich. Obsessiv. 10.000 IE. 20.000 IE. Mehr ist mehr.

Sie behaupten dann so Unsinn wie „Sonne reicht nicht!“ (Ich dachte wir haben Klimawandel?)

Oder noch schlimmer – sie warnen mit dem Zeigefinger: „Sonne ist gefährlich, verbrennt die Haut, …. lieber Tropfen!“

Das ist so bescheuert, dass ich kurz atmen muss.

Ich liebe Vitamin D. Wirklich. Eine kleine Basis im Winter, kontinuierlich, immer gerne.

Aber viele verlieren völlig den Fokus: Sonne ist und bleibt die beste Quelle für Vitamin D. 👙

Hier ist, was einige Gurus scheinbar nicht richtig verstehen: Vitamin D ist ein Hormon.


Nochmal zum Mitschreiben: Ein Hormon sendet Signale in deinem Körper. Das ballert man sich nicht einfach blind in die Zellkerne. Du spritzt dir auch nicht blind Insulin. Nicht hochdosiert, nicht jeden Tag.

Doch noch wichtiger: Vitamin D ≠ Sonne

Vitamin D ist kein Ersatz für die Sonne – nicht mal im Ansatz. Dazu kommen wir gleich. Erstmal…

Ein Blick in die Vitamin D Studien: Du wurdest belogen

Es gibt sehr viele positive Studien zu Vitamin D. Was gern verschwiegen wird: Die meisten Studien sind Beobachtungsstudien. Menschen in sonnigen Regionen haben weniger Herzkreislauf-Erkrankungen, weniger Depressionen, niedrigere Sterblichkeit. Supi.

Aber hier ist der Twist: Der Effekt ist unabhängig vom Vitamin D Spiegel.

Dagegen stehen neutrale Studien zu Vitamin D (wie die VITAL-Studie, Harvard, 25.000 Teilnehmer): Hochdosiertes Vitamin D reduziert das Herzinfarkt-Risiko kaum bis gar nicht.

Das Heilmittel der Natur war nie Vitamin D, es war immer die Sonne. Vitamin D Tropfen liefern lediglich ein Fragment davon.

Das Lustige daran: Bevor Rockefeller die Lehrbücher umgeschrieben haben, war das selbstverständlicher Teil der traditionellen Medizin.

Krankenhäuser hatten Sonnendecks fest eingeplant. Patienten lagen täglich in der Sonne — als Teil der Behandlung. Tuberkulose, Wunden, Infektionen. Niels Finsen bekam 1903 den Nobelpreis dafür, Hautkrankheiten mit UV-Licht zu heilen.

Dann kamen Antibiotika. Dann kamen synthetische Medikamente. Dann kam Sonnencreme.

Und plötzlich war Sonne gefährlich.

Zeit sich wieder zu erinnern. Hier ein Einblick, warum Sonne so viel wertvoller ist – und warum du mehr in der Sonne baden solltest.

Sonne VS Vitamin D

Sonnenlicht besteht aus verschiedenen Strahlen aus zig verschiedenen Wellenlängen. Das sind die wichtigsten 4 Kategorien:

1. Sichtbares Licht
2. UVB-Strahlen
3. UVA-Strahlen
4. Infrarot-Strahlen

Jede davon hat eine andere Wirkung.

1) Licht = Signal

Das sichtbare Sonnenlicht ist das essenzielle Signal für deine innere Uhr.

Gerade die Morgensonne ist hier besonders wichtig. Strahlen dringen in deine Augen ein, aber auch in deine Haut, deinen Kopf, bis zu deinen Hirnzellen. Überall hast du Rezeptoren — so genannte Ganglienzellen — die nichts anderes machen als auf die Morgensonne zu warten. Und dann senden sie ein Signal an deinen gesamten Körper „aha! Jetzt ist Tag.“

Die Morgensonne stellt deine innere Uhr ein – für den gesamten Tag.
Es wird unter anderem Cortisol ausgeschüttet und Serotonin.
Wenn dieses Signal dagegen nicht kommt, dann ist der Körper verwirrt. „Wie was wo.. halbes Signal?“

Die Folge: Umso weniger Morgensonne du erhältst (und umso weniger Licht über den Tag verteilt), desto weniger „wach“ und konzentriert bist du am Tag UND desto leichter ist dein Schlaf in der Nacht – du schläfst nicht so tief und regenerierend.

Vielleicht ist es dir im Urlaub schon mal aufgefallen: Du schläfst plötzlich wie ein Bär und besser als Zuhause. Ja, vor allem, weil du viel mehr draußen bist, viel mehr Sonne tankst. Deine innere Uhr ist perfekt eingestellt.

2) UVB => Sulfatiertes Vitamin D

Die UVB-Strahlen treffen auf deine Haut, Zellen nehmen das Signal auf, produzieren Vitamin D. So weit bekannt.

Was nicht erzählt wird: Hierbei entsteht sulfatiertes Vitamin D – es ist also an Schwefel gebunden. Der Mechanisms ist bis heute nicht genau bekannt, aber Vitamin D Sulfat wirkt anders und stärker als das aus Tabletten. Der wichtigste Unterschied: Es ist wasserlöslich, lässt sich besser durch den Körper transportieren und kann damit an alle Stellen – selbst ins hinterste Eck. Und es hat Schwefel mit im Gepäck. Schwefel ist vielleicht das wichtigste Mineral in unserem Körper und wird fast überall benötigt – von Reparatur bis Entgiftung (deshalb ist es auch ein entscheidender Teil meiner täglichen Supplement-Basis).

Auch Muttermilch enthält sulfatiertes Vitamin D. (Clever, die Natur.) Tropfen dagegen nicht, sie liefern immer nur das fettlösliche Vitamin D, das deutlich träger ist.

3) UVA => Stickoxid

Treffen wiederum UVA-Strahlen auf deine Zellen, so produzieren sie Stickoxid. Das entspannt die Blutgefäße, fördert die Durchblutung und verbessert die Sauerstoffversorgung. So wie ein Rote Beete Shot – nur ohne den Beete-Geschmack.

Würden alle Menschen mehr Sonne tanken, bräuchten wir weniger Blutdrucksenker. Stattdessen verjagt man Menschen aus der Sonne und macht ihnen Angst. Zufall oder gewollt?

4) Infrarot => Mitochondrien

Auch die heilende Wirkung von Infrarot ist uralt und lange bekannt. Unsere Omis saßen früher noch regelmäßig vor großen roten Lampen – die gerade wieder Comeback feiern. Infrarot-Strahlen = Wärmestrahlen. Sie sorgen für den wohligen Effekt, der uns – und jedes Tier auf diesem Planeten – ganz natürlich in die Sonne zieht.

Infrarot-Strahlen dringen Tief ins Gewebe ein, durch die Zellmembran, bis in die Mitochondrien – die Kraftwerke deiner Zellen. Sie stimulieren deine Mitochondrien zu arbeiten und aktiv zu werden. Ja, mit Infrarot lädst du deine Zellen regelrecht auf – wie eine Batterie, oder wie Superman, der an der Sonne Kraft tankt.

Zusammenfassung:

Sonne liefert verschiedenste Wellenlängen und jede Wellenlänge hat ihre eigene Funktion.

Sonne:

  • Stellt unsere innere Uhr richtig ein
  • Stellt Hormone ein
  • Produziert sulfatiertes Vitamin D
  • Entspannt unsere Blutgefäße
  • Stärkt unser Immunsystem
  • Stärkt unsere Zellen
  • Lädt unsere Mitochondrien auf

Also nochmal: Würden alle Menschen mehr Sonne tanken, bräuchten wir weniger Blutdrucksenker, weniger Medikamente und wären gesünder. Stattdessen verbreitet man Angst vor Sonne. Zufall oder System?

Vitamin D Tropfen dagegen liefern nur einen winzigen Bruchteil davon. Die Sonne ist ein Regenbogen. Vitamin D ist nur eine einzelne Farbe. Als ob du einen Regenbogen malen willst, aber nur gelb hast.

FAQ zu Vitamin D

Vitamin D ist eine Notlösung für ein selbstgemachtes Problem.

Überall wird Angst und Panik verbreitet „bloß keine Sonne, gefährlich!“ Oder: „UV-A altert die Haut und UV-B verbrennt sie.“

Super, Prost Mahlzeit.

Die Folge: Menschen sitzen in Betonblöcken. Meiden die Sonne. Klatschen sich Sonnencreme auf die Haut. Und dann ergänzen sie Vitamin D, weil – wie komisch – der Spiegel plötzlich niedrig ist.

Die Sonne tankt alles auf: Pflanzen richten sich nach der Sonne aus. Tiere liegen regelmäßig in der Sonne. Menschen sind die einzigen Lebewesen auf diesem Planeten, die Angst davor haben.

Deshalb bin ich der Meinung: Sonnenbaden statt Vitamin-D-Pillen. Sonne-Tanken sollte wieder zum Trend werden. Es ist das wahrscheinlich gesündeste Hobby der Welt. Vitamin D bleibt die Notlösung.

Reicht die Sonne? Kriegen wir überhaupt genug Vitamin D?

Selbstverständlich. Unsere Vorfahren haben hunderttausende Jahre ohne Vitamin D Pillen überlebt – selbst im tiefsten Norden. Deine Haut passt sich ganz natürlich an, deshalb wirst du im Winter blasser. Umso heller deine Haut, desto mehr Vitamin D nimmst du auf. Deine Zellen sind also nach einem Winter wie ein trockener Schwamm, die sich mit Vitamin D vollsaugen.

Wie oft muss ich in die Sonne?

Wie oft musst du trinken? Hör auf deinen Körper, genieß die Sonne, probier es aus. Wann haben wir angefangen, Blutwerten mehr zu vertrauen als unserem eigenen Körpergefühl?

Was ist, wenn ich dunkle Haut habe, aber im Norden wohne?

Korrekte Skepsis. In dem Fall bist du quasi nicht in deinem „natürlichen Milieu“. Deine Haut passt nicht zur Umgebung und blockt dadurch zu viele Strahlen. Aber es bleibt individuell: Also einfach Vitamin-D-Spiegel im Sommer testen, dann hast du einen besseren Überblick.

Mein Vitamin-D-Spiegel ist unter 20 ng/ml – was soll ich tun?

Wenn du solche Werte im Sommer hast, wäre meine erste Frage: Legst du dich wirklich regelmäßig in die Sonne? Wenn nein, dann ab nach draußen – möglichst viel nackte Haut. Falls die Werte trotzdem niedrig bleiben: Dann zu einem Therapeuten, der sich auskennt.

Ich kann nicht mehr in die Sonne gehen – Alltag, Stress, … – macht Vitamin D Sinn?

Ehrliche Antwort: In 90% der Fälle ist das eine Ausrede. Nicht böse gemeint — aber es ist so. Falls es wirklich nicht geht (Schichtarbeit o.ä.): Dann ja, Vitamin D macht Sinn. Kontinuierlich ein bisschen ist besser als viel auf einmal. Und denk auch daran die anderen Strahlen so gut es geht zu ergänzen – wie Infrarot.

Was ist mit Vitamin D im Winter?

Gerne. Aber wer im Sommer gut getankt hat, muss es nicht übertreiben. Ich selbst ergänze im Winter gern ein paar tausend Einheiten (z.B. mit Omega-3) – so wie wir es auch über Lebensmittel aufnehmen könnten.

Was ist mit Vitamin D bei Osteoporose?

Gegenfrage: Was ist mit Sonne bei Osteoporose? Sulfatiertes Vitamin D, Infrarot, Stickoxid — alles was Knochen und Gefäße brauchen. Wenn Vitamin D wirkt, wirkt Sonne zigfach stärker. Aber Krankheit ist nicht mein Gebiet, deshalb

Was ist bei chronischer Erkrankung?

Kurzzeitig therapeutisch hochdosiertes Vitamin D kann absolut Sinn machen, um das Immunsystem hochzufahren. Sprich das aber bitte mit einem Therapeuten ab, der sich mit Nährstoffen auskennt. Mein Gebiet ist nur Prävention und Ernährung.

Wie ergänze ich Vitamin D richtig?

Immer als Teil einer breitgefächerten Basis an Nährstoffen. Vitamin D alleine ist nur ein Zahnrädchen in einem großen Uhrwerk. Auch Vitamin D&K reicht nicht aus. Es braucht weitere Co-Faktoren, wie zum Beispiel Mineralien (Magnesium, Schwefel), damit Vitamin D optimal wirken kann. Die Basis ist immer.. die Basis.

Fördert Sonne Hautkrebs?

Erstaunlicherweise zeigt das keine einzige Studie zuverlässig. Menschen, die mehr in die Sonne gehen, haben ein geringeres Hautkrebs-Risiko. Dagegen steigen die Fälle von Hautkrebs, seit wir Sonnencremes nutzen. Sonnenbrand sollte man natürlich meiden, Sonne nicht.

Mehr Fragen? Schreib mir.

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